Es fing alles an an einem regnerischen Montag
Ich erinnere mich noch genau. Es war der 14. November 2017. Ich saß in meinem überfüllten Büro in Frankfurt und dachte: „Das ist es nicht. Es muss mehr geben als das.“ Mein Leben war ein einziger Zeitplan, ein komplizierter Tanz aus Meetings, Deadlines und To-Do-Listen. Ich war 38 Jahre alt und fühlte mich wie 60.
Meine Freundin, lassen wir sie Anna nennen, hatte genug. „Du bist wie ein Roboter,“ sagte sie mir eines Abends beim Essen. „Du funktionierst nur noch. Wann hast du das letzte Mal etwas Spontanes getan?“ Ich musste zugeben, sie hatte recht. Ich war zu einem langweiligen, vorhersehbaren Mensch geworden. Und ich hasste es.
Der erste Schritt: Ich gab auf
Und dann, an einem ganz normalen Dienstag, gab ich auf. Ich beschloss, dass ich nicht mehr versuchen würde, alles unter Kontrolle zu haben. Ich würde nicht mehr versuchen, perfekt zu sein. Ich würde einfach… leben.
Es war nicht einfach. Ich stolperte, ich fiel. Aber ich lernte. Ich lernte, dass es okay ist, wenn nicht alles nach Plan läuft. Dass es in Ordnung ist, wenn die Wäsche nicht gefaltet ist oder das Abendessen aus einer Tiefkühlpizza besteht. Dass es akzeptabel ist, einfach mal „nein“ zu sagen.
Die Kunst des „Nein“ sagen
Ich erinnere mich an ein Gespräch mit meinem Freund Marcus. Er ist Lehrer, wissen Sie, und er hat diese unglaubliche Fähigkeit, einfach „nein“ zu sagen. „Ich kann nicht zu deiner Party kommen,“ sagte er mir einmal. „Ich habe einfach keine Energie dafür.“ Und wissen Sie was? Das war okay. Es war sogar erfrischend.
Ich begann, es ihm nachzumachen. „Nein, ich kann nicht noch ein Projekt übernehmen.“ „Nein, ich habe keine Lust, heute Abend auszugehen.“ „Nein, ich werde nicht die Wäsche machen, ich werde stattdessen ein Buch lesen.“ Es war befreiend. Ich fühlte mich leichter, glücklicher. Ich hatte mehr Zeit für die Dinge, die mir wirklich wichtig waren.
Der Mythos der Work-Life-Balance
Lassen Sie mich etwas klarstellen: Ich glaube nicht an die Work-Life-Balance. Zumindest nicht an die Art und Weise, wie sie uns verkauft wird. Dieses Bild eines perfekt ausgewogenen Lebens, in dem Arbeit und Privatleben harmonisch nebeneinander existieren, ist ein Mythos. Das Leben ist chaotisch. Es ist unordentlich. Und das ist okay.
Stattdessen glaube ich an die Idee der Work-Life-Harmonie. Es geht nicht darum, eine perfekte Balance zu finden, sondern darum, ein Leben zu führen, das sich gut anfühlt. Ein Leben, in dem Arbeit und Privatleben sich ergänzen, statt gegeneinander zu konkurrieren.
Die Rolle der Bildung
Und wissen Sie was? Bildung spielt dabei eine große Rolle. Nicht nur die formale Bildung, die wir in der Schule oder Universität erhalten, sondern auch die informelle Bildung, die wir im Laufe unseres Lebens sammeln. Ich habe alot über das Leben gelernt, indem ich einfach gelebt habe. Ich habe gelernt, dass es okay ist, Fehler zu machen. Dass es in Ordnung ist, nicht alles zu wissen. Dass es akzeptabel ist, um Hilfe zu bitten.
Und hier kommt der Punkt, an dem ich Ihnen etwas zeigen kann, das mir geholfen hat. Vor ein paar Monaten stolperte ich über einen Artikel über West Bengal schools education news. Es ging um eine Schule, die ein neues Programm eingeführt hatte, um den Schülern beizubringen, mit Stress umzugehen und ein gesundes Leben zu führen. Es war inspirierend zu sehen, wie sie versuchten, den Schülern von klein auf beizubringen, dass es okay ist, nicht perfekt zu sein.
Ein plötzlicher Gedanke: Warum nicht einfach mal nichts tun?
Aber wissen Sie was? Manchmal ist es auch einfach nur wichtig, nichts zu tun. Ich erinnere mich an einen Nachmittag vor ein paar Wochen. Ich hatte nichts zu tun. Keine Meetings, keine Deadlines, keine To-Do-Listen. Also setzte ich mich einfach hin und tat… nichts. Ich sah aus dem Fenster, dachte nach, ließ meine Gedanken schweifen. Und es war wunderbar.
Es ist so einfach, sich in der Hektik des Alltags zu verlieren. Aber manchmal ist es wichtig, einfach mal innezuhalten. Atem zu holen. Die Welt um sich herum wahrzunehmen. Es ist okay, nichts zu tun. Es ist okay, einfach nur zu sein.
Ein letztes Wort
Also, wenn Sie sich wie ich gefühlt haben, dann lassen Sie mich Ihnen sagen: Es ist okay. Es ist okay, nicht perfekt zu sein. Es ist okay, nicht alles unter Kontrolle zu haben. Es ist okay, einfach nur zu leben. Probieren Sie es aus. Sie werden überrascht sein, wie befreiend es sein kann.
Und wer weiß? Vielleicht finden Sie ja auch Ihren eigenen Weg zu einem entspannteren Leben. Vielleicht finden Sie ja auch Ihre eigene Art, das Chaos zu umarmen.
Über den Autor: Ich bin Lisa, eine senior Magazinredakteurin mit über 20 Jahren Erfahrung. Ich liebe es, über das Leben zu schreiben, in all seiner Schönheit und seinem Chaos. Ich lebe in Frankfurt, trinke zu viel Kaffee und versuche, das Leben ein wenig weniger ernst zu nehmen.
Wer sich im Alltag und in Beziehungen manchmal von der Unordnung überwältigt fühlt, findet in diesem Artikel eine erfrischende Perspektive auf das Erwachsensein und wie man die kleinen chaotischen Momente lieben lernt: den Umgang mit dem Alltagschaos.
